Während die Antwort darauf, was Österreich 1945 war, befreit oder besetzt, manchen bis heute nicht einfallen will, konnte man sich recht bald auf Erzählungen einigen, die den traumatisierten Österreichern das „nation building“ erleichterten.
1952 hatte die VOEST das LD-Stahlverfahren zur globalen industriellen Nutzbarkeit entwickelt und die Gründung als „Göring-Werke“ vergessen lassen. 1954 landeten unsere Fußballer bei der WM in Bern auf dem dritten Platz. Rot-weiß-rot war angesagt. 1955 wurde das Kraftwerk Kaprun eröffnet, das größte Heldendenkmal des neuen Österreich. 1956 gewann Toni Sailer drei Olympia- und vier WM-Medaillen in Gold. Die Messung von Hundertstelsekunden war noch nicht erfunden und überflüssig, da der Mann seine Siege mit Sekundenvorsprüngen erzielte. Wir zählten wieder in der Welt und flogen ab 1957 mit der eigenen Luftlinie, der AUA eben. Wir waren zu einer glücklichen Nation geworden.
Noch in den 1960er-Jahren wurden in der Volksschule Heldengeschichten des Wiederaufbaus erzählt, jährlicher Kulminationspunkt: der „Tag der Fahne“, an dem angeblich der letzte „Besatzungs“soldat Österreich verlassen hat. In der Zeitschrift des Jugendrotkreuzes lasen wir monatlich vom heldenhaften Kampf der Arbeiter und Ingenieure gegen die Natur, der es sowohl Österreich als auch Strom abzuringen galt. Dass der Kapruner Spatenstich 1938 unter den Nazis erfolgte, wurde ebenso nonchalant verschwiegen wie der Tod jüdischer Zwangsarbeiter.
Mit erstaunlicher Leichtigkeit schüttelten unsere Altvorderen Symbole aus dem Ärmel. Die Politiker jener Jahre, heute oft als volkstypische Trunkenbolde „verklärt“, (er)fanden ganz ohne Umfragen jene Mythen, die der Bevölkerung ein neues Nationalbewusstsein gaben. Funktioniert hat das, weil der Wiederaufbau erlebbar und der Aufschwung spürbar waren. Dass auch heftig mit dem österreichischen Kleinchauvinismus herumgefuchtelt wurde, war gegenüber der großdeutschen Wahnidee trotzdem ein Fortschritt (der ist tempomäßig eben eher Bernhardiner denn Windhund).
Umso erstaunlicher ist mit welcher Zuverlässigkeit heute die rundum dauerberatene Politik mythenträchtig versagt. Besonders deutlich wird das auf EU-Ebene. Identitätsstiftung erfolgt hier immer negativ. Mit traumwandlerischer Sicherheit finden die Brüsselokraten Symbole, die nicht einmal ihren bösartigsten Gegnern einfallen würden. Die Gurkenkrümmung ist bekannt (und unverschuldet, das waren die Handelsketten). Den Österreichern den Dirndl-Ausschnitt wegnehmen zu wollen, zeugt von geschmacklicher Unsicherheit. Die Identifikation der Tiroler mit dem Durchzugsverkehr am Brenner wird es nicht spielen. Den Europäern die Wasserdurchflussmenge der Brausen vorschreiben zu wollen, führt zum internationalen Schulterschluss: die in Brüssel sollen sich brausen. Wer uns die Badewanne als Verschwendung verbieten will, dem muss das Wasser bis zum Hals stehen. Ein wahrer Geniestreich aber gelang mit dem Verbot der Glühbirne. Bei Hamsterkäufen wie einst im legendären Resselpark der Nachkriegszeit entstand vor den sich rasant leerenden Regalen der Baumarktketten ein ganz neues Zusammengehörigkeitsgefühl: hamstern gegen Brüssel. Und wozu haben wir Kaprun gebaut, wenn wir jetzt keinen Strom verbrauchen dürfen. Außerdem ist das unser Wasser auf unseren Turbinen, das uns die EU wegnehmen will. Manchmal wünscht man sich, der Figl möge exhumiert werden und in Brüssel die Reblaus anstimmen. Vielleicht kapieren sie dann, was Symbolik bedeutet. Wenn man sich aber das derzeitige Chaos in der Kommission ansieht, muss man eher Angst haben, dass dort jemandem ein Licht aufgeht: mit Sicherheit in Form der allseits geliebten Energiesparlampen.
Bis heute wurde keine Erzählung und keine Symbolik gefunden, die den Menschen die Europäische Union nahe bringt. Dazu gehört auch, das Beispiel Österreich zeigt es, dass die Erfolge der EU spür- und greifbar sind. Hätten Figl, Raab, Schärf und Co. nur mit Statistiken gewachelt, wären selbst 20 Kapruns und 100 Sailers wirkungslos geblieben. Aber für den Anfang wäre es schön, würde die EU wenigstens einmal ihre Reblaus finden.

Wenn die 68 Linken den Figl verherrlichen (nicht dass man ihm nicht ausreichend Respekt zollen kann) dann ist das emotionale Standbein schon sehr angenagt — keiner weis wo dann das Schwungbein so hinschwingt. Aber klar wenn man zwischen kleinbürgerlichem Chauvi und internationaler Solidarität wählen muss und weis Soli ist eigentlich das was wir in der Internationale predigen aber das Gefühl so mies ist und wir uns eingestehen müssen das die einfachen Löser auch unsere eigenen Urinstinkte ansprechen, was dann? Trennen – Abtrennen: nicht Griechenland braucht Hilfe — Griechen-Hilfe ist das Gebot der Stunde, direkt und unmittelbar , macht auch viel mehr Freude. Souvlaki mit Kostas ( wir zahlen) , Retsina mit Hellena und dann noch Ouzo für alle. Beim Sirtaki am Strand kommt dann die Stimmung auf die uns alle zur Insel Elysium führt. Das wäre Europa ( irgendwo findet sich auch der Stier) würdig. Mit dem (der) Europa würde jeder gern das Lager teilen. Auf nach Hellas!!!